Nordseekrabben gehören zur Küste wie Deich und Watt – und gerade jetzt, im Herbst, ist ihre Hauptsaison. Dabei steckt mehr dahinter, als man dem Krabbenbrötchen ansieht: Die „Krabbe" ist gar keine Krabbe, sie wird noch auf dem Kutter gekocht, und bevor sie gepult in Deutschland im Handel landet, hat sie meist eine Reise nach Marokko und zurück hinter sich.
Hier erfährst du, wie die Krabben gefangen werden, warum gerade im Herbst Hauptsaison ist, warum sie den Umweg über Nordafrika nehmen – und wo du rund um Otterndorf Krabbenkutter siehst und ein Krabbenbrötchen bekommst.
Auf einen Blick
| Was es ist | Nordseegarnele (Crangon crangon), umgangssprachlich Krabbe, in Ostfriesland „Granat" |
| Hauptsaison | Herbst; im Winter (etwa Ende November bis Februar) wird wenig oder gar nicht gefangen |
| Verarbeitung | an Bord in Seewasser gekocht, gepult wird in aller Regel von Hand in Marokko |
| Kutter ansehen | drei Kutterhäfen an der Wurster Nordseeküste: Spieka-Neufeld, Dorum-Neufeld, Wremen |
| Krabben essen & kaufen | Cuxhaven (Hafen, Fischmeile), Verkaufsbuden an der Südpier in Wremen |
| Vom Nordseezimmer | Cuxhaven rund 17 km, Spieka-Neufeld rund 29 km, Dorum-Neufeld rund 41 km mit dem Auto |
| Mehr Infos | Thünen-Institut für Seefischerei |
Krabbe oder Garnele? Was da wirklich auf dem Brot liegt
Streng genommen ist die Nordseekrabbe eine Garnele. Ihr wissenschaftlicher Name ist Crangon crangon, und „Krabbe" ist nur der umgangssprachliche Name. Zoologisch sind Krabben Kurzschwanzkrebse – eine andere Tiergruppe. Die Nordseegarnele wird ausgewachsen bis zu 9,5 Zentimeter lang. In Ostfriesland heißt sie „Granat", in Nordfriesland „Porren".
Lebend sieht sie ganz anders aus als auf dem Teller: gräulich-braun und farblich dem Wattboden angepasst. Dafür sorgen Pigmentzellen in ihrem Panzer. Außerdem gräbt sie sich flach in den Sand ein, um sich vor Vögeln, Fischen und jungen Robben zu schützen. Erst wenn es dunkel wird, kommt sie zum Fressen heraus. Zu Hause ist sie vor allem dort, wo Flüsse ins Meer münden – also genau in der Gegend, in der Otterndorf an der Elbmündung liegt.
Wie sehr das Wattenmeer vom Wechsel der Gezeiten lebt, liest du in unserem Artikel Ebbe und Flut verstehen.
Vom Meeresboden in den Kochkessel: so werden Krabben gefangen
Krabben werden von Krabbenkuttern aus mit Grundschleppnetzen gefischt. Typisch sind die beiden Ausleger links und rechts am Kutter: An ihnen werden die Netze seitlich ins Wasser gelassen und an Rollen über den Meeresboden gezogen. Auf dem Foto oben sind die Ausleger hochgeklappt. Gefischt wird vor allem in Küstengewässern nahe den Flussmündungen, besonders an Eider und Elbe.
Das Besondere passiert direkt an Bord: Nach dem Sieben werden die Krabben fangfrisch in Seewasser gekocht, in einem Kochkessel mit Wasser, das direkt aus dem Meer kommt. Erst dabei bekommen sie ihre typische rötlich-braune Farbe. Die Krabben verlassen den Kutter deshalb in der Regel schon gekocht.
Saison: Der Herbst ist Hauptfangzeit
Die Nordseegarnele lebt in einem einjährigen Zyklus. Sie wächst schnell, und die Tiere, die im Herbst gefangen werden, sind im Frühjahr geschlüpft. Der Herbst ist die Hauptfangsaison. In den kalten Monaten, etwa von Ende November bis Februar, ziehen sich die Garnelen in tiefere Gewässer zurück. Dann wird weniger oder gar nicht gefangen.
Wie gut eine Saison wird, lässt sich kaum vorhersagen. Schon die Zahl der Räuber, die Garnelen fressen, schwankt von Jahr zu Jahr und manchmal innerhalb weniger Wochen. Der Herbst 2025 zum Beispiel war nach Angaben des Thünen-Instituts für Seefischerei eine außergewöhnlich gute Saison, mit Fängen, so reichlich wie seit Jahren nicht mehr.
Für dich heißt das: Wenn du im Oktober oder November an die Küste kommst, ist Krabbenzeit. Warum sich die Nebensaison auch sonst lohnt, steht in Nordsee im Herbst.
Ab 1 Nacht buchbar, kein Einzelzimmerzuschlag, eigener Parkplatz – praktisch für Ausflüge zu den Kutterhäfen. Die Kurtaxe ist schon im Preis enthalten.
Verfügbarkeit prüfenWarum Nordseekrabben nach Marokko reisen
Jetzt zur Frage, die fast jeder schon einmal gehört hat: Stimmt es, dass Nordseekrabben in Marokko gepult werden? Ja. Nach Angaben des Thünen-Instituts werden Nordseekrabben in aller Regel in Marokko von Hand gepult und dann als verarbeitete Ware nach Deutschland zurückgebracht. Der Weg führt überwiegend über die Niederlande nach Marokko, wo die Krabben in großen Schälzentren gepult werden. Für die Rückreise werden sie mehrfach konserviert.
Der Grund ist schlicht: Krabbenpulen ist Handarbeit, und die ist in Deutschland sehr teuer.
Wie anfällig dieses System ist, zeigte die Corona-Pandemie. Als die Pulkapazitäten in Marokko während der Pandemie stark verringert wurden, nahmen die Großhändler weniger Krabben ab – und die Fänge und der Verdienst der deutschen Krabbenfischer sanken. Ein Projekt des Thünen-Instituts setzt genau hier an: Es hat mit Partnern untersucht, ob Krabben direkt in der Fangregion maschinell gepult werden können, mit einer Maschine, die den Panzer mit Druckwellen aufbricht.
Wenn du Krabben ganz ohne diesen Umweg essen möchtest, bleibt eine Möglichkeit: ungepulte Krabben kaufen, wo es sie gibt, und selbst pulen.
Selbst pulen: so geht's
So funktioniert der Handgriff:
- Halte die Krabbe mit Daumen und Zeigefinger beider Hände – eine Hand am Kopf, die andere am Schwanzende.
- Drehe das Hinterteil ohne Druck, bis der Panzer aufbricht.
- Zieh das Krabbenfleisch zuerst aus dem hinteren Panzer und dann aus dem Kopfende.
Wichtig beim Kauf: Krabben sind leicht verderblich. Kauf ungepulte Krabben also am besten erst, wenn du sie bald essen willst.
Krabben in der Küche: Brötchen, Brot und Rührei
Die Küstenküche braucht für Krabben nicht viel. Die Klassiker sind das Krabbenbrötchen, das Krabbenbrot, Krabben mit Rührei, Krabbensalat und Krabbensuppe.
Am einfachsten probierst du sie als Krabbenbrötchen, zum Beispiel an den Verkaufsbuden an der Südpier in Wremen. In Cuxhaven gehören Scholle und Krabben zu den Spezialitäten in Restaurants, Imbissen und Bistros.
Wo du Krabben rund um Otterndorf findest
Cuxhaven: Fischmeile im Fischereihafen
Cuxhaven liegt rund 17 Kilometer vom Nordseezimmer entfernt. Die Fischmeile im Alten und Neuen Fischereihafen bietet Fisch, Fabrikverkäufe und Gastronomie, der Zugang ist kostenlos. In Cuxhaven bekommst du Räucherfisch, Matjes oder Krabben, und am Hafen kannst du den Fischern bei der Arbeit zusehen. Die Öffnungszeiten der einzelnen Geschäfte und Restaurants variieren, ein kurzer Blick vorher lohnt sich. Was aus dem alten Fischmarkt geworden ist, liest du in Fischmarkt Cuxhaven – was aus dem Markt wurde. Wer tiefer in die Geschichte der Fischerei einsteigen will, geht ins Windstärke 10 – Wrack- und Fischereimuseum.
Wurster Nordseeküste: drei Kutterhäfen
Echte Krabbenkutter siehst du an der Wurster Nordseeküste im Landkreis Cuxhaven. Dort gibt es drei Kutterhäfen: Spieka-Neufeld im Norden, rund 29 Kilometer von uns, Dorum-Neufeld, rund 41 Kilometer, und Wremen als ältester und südlichster der drei. An vielen Tagen im Jahr kannst du beobachten, wie die bunten Kutter zur Fangreise auslaufen oder zurückkommen.
In Dorum-Neufeld gibt es bei den Dorumer Hafentagen Krabbenpul-Workshops und einen Kutterkorso. In Wremen findest du an der Südpier Verkaufsbuden mit Krabben- und Fischbrötchen. Außerdem ist dort der Krabbenkutter „Claudia" für Gästefahrten umgebaut – mit Ausflugstouren und echten Fangfahrten. Termine und Preise erfährst du direkt beim Anbieter.
Mehr Ausflugsziele in der Umgebung findest du in Tagesausflüge ab Otterndorf.
Wenn du selbst pulen willst, frag beim Fischhändler, ob er ungepulte Krabben hat. Wer im Herbst kommt, trifft dabei die Hauptfangsaison. Üben kannst du das Pulen auch bei den Krabbenpul-Workshops der Dorumer Hafentage – Termine erfragst du bei der Kurverwaltung Wurster Nordseeküste.
Zurück ins Nordseezimmer
Für Ausflüge nach Cuxhaven und an die Wurster Küste liegt Otterndorf günstig. Du wohnst in der Koje, maritim mit petrolfarbener Akzentwand, oder im Koi in warmen Gold- und Cremetönen – beide mit eigenem Bad, großem Bett 180×200, kostenlosem WLAN und eigenem Parkplatz. Dank Self Check-In per Schlüsselkasten kommst du rund um die Uhr an, auch wenn der Tag am Hafen länger wird. Beide Zimmer sind ab einer Nacht buchbar, ohne Einzelzimmerzuschlag.
Und wenn du nach dem Krabbenbrötchen noch Luft brauchst: Die Elbe erreichst du von uns aus in rund 15 Minuten zu Fuß.
Häufige Fragen
Warum heißen Nordseekrabben Krabben, obwohl sie Garnelen sind?
„Krabbe“ ist der umgangssprachliche Name. Biologisch ist die Nordseekrabbe eine Garnele, die Nordseegarnele (Crangon crangon). Krabben im zoologischen Sinn sind Kurzschwanzkrebse. In Ostfriesland heißt die Nordseegarnele auch „Granat“, in Nordfriesland „Porren“.
Wann ist Krabbensaison an der Nordsee?
Die Hauptfangsaison ist der Herbst. Die Garnelen, die dann gefangen werden, sind im Frühjahr geschlüpft. In den kalten Monaten, etwa von Ende November bis Februar, ziehen sie sich in tiefere Gewässer zurück, dann wird weniger oder gar nicht gefangen.
Werden Nordseekrabben wirklich in Marokko gepult?
Ja, in aller Regel. Laut Thünen-Institut werden die Krabben überwiegend über die Niederlande nach Marokko gebracht, dort in großen Schälzentren von Hand gepult und mehrfach konserviert zurück nach Europa geliefert. Der Grund: Handarbeit ist in Deutschland sehr teuer. Wer den Umweg vermeiden will, fragt nach ungepulten Krabben und pult selbst.
Wo kann ich in der Nähe von Otterndorf Krabbenkutter sehen?
An der Wurster Nordseeküste gibt es drei Kutterhäfen: Spieka-Neufeld (rund 29 km vom Nordseezimmer), Dorum-Neufeld (rund 41 km) und Wremen. In Cuxhaven, rund 17 km entfernt, findest du die Fischmeile im Alten und Neuen Fischereihafen.
Wie pule ich Krabben richtig?
Halte die Krabbe mit Daumen und Zeigefinger beider Hände an Kopf und Schwanzende. Drehe das Hinterteil ohne Druck, bis der Panzer aufbricht. Dann ziehst du das Fleisch zuerst aus dem hinteren Panzer und danach aus dem Kopfende.
Krabbenzeit an der Küste, Nächte in Otterndorf
Ab 1 Nacht buchbar, kein Einzelzimmerzuschlag, Kurtaxe inklusive. Zwei Zimmer in Otterndorf – Koje und Koi.
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